September 1981
Im August 1981 wurde ich zum ersten Mal im Rollstuhl sitzend in den Park des Boberg-Rehazentrums gefahren. Im September bekam ich die Erlaubnis von der Klinik, das Wochenende zu Hause in Kiel zu verbringen. Victor trug mich wie ein Kind in den Armen und setzte mich in den Rollstuhl, danach ins Auto. In Kiel angekommen, wurde ich von Victor und zwei Freunden zu unserer Wohnung in den vierten Stock – im Rollstuhl sitzend – getragen. Victor war das zu umständlich, so beschloss er mich in Zukunft alleine auf Händen zu tragen wie ein Säugling, 80 Stufen hinauf und herunter. Nach einigen Wochen willigte ich ein, huckepack getragen zu werden, was für Victor wesentlich einfacher war. So konnten wir den Rollstuhl im Juni 1982 ganz abgeben. Dadurch wurde ich gezwungen zu laufen, und wenn ich nicht mehr konnte, hat mich Victor huckepack getragen.
Das erste Bild von mir auf einem Rollstuhl hat Victor mit Mühe von mir genehmigt bekommen. Er sagte, wir müssten meinen Weg dokumentieren, um meine verschiedenen Stadien der Entwicklung zu zeigen.
„Bei schönem Wetter trug mich Victor in das Auto die 80 Stufen hinunter und den Rollstuhl hinterher. Dann spazierten wir mit unserem Besuch in der wunderschönen Umgebung von Kiel an Seen entlang, Westensee, Bothkamper See, am Nord-Ostsee-Kanal, und ich bewunderte die Natur, ich bewunderte die Gräser und die Wildblumen, Buchen und Bucheckern, eine riesige Eiche, Fichten, bald entdeckte ich dort einen seltenen Eisvogel, sah da komische Pilze. Vor meinem Schlaganfall hatte ich der Natur geringe Beachtung geschenkt. Mich interessierten damals nur die Menschen und ihre Sprachen.“
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